twitter 2018-03-16T17:41:37+00:00

P-Projekt TH Fetisch, Ding, Bild- Paradoxien eines modernen Begriffsfelds.
Politik der Bilder: Jacques Rancière; künstlerische Arbeit

Twitter Nachrichten werden über die gut recherchierten Artikel der „New York Times“ geschrieben und lösen die Flamme eines Feuers aus. Die Zeitung verbrennt nach und nach, und mit ihr der seriöse Journalismus, bis nur noch ein halb verkohltes Blatt übrig bleibt und der dieser dabei langsam verschwindet. Twitter verbreitet schnelle virale Nachrichten wie ein Shitstorm, der für eine kurze Zeit aufflammt aber auch schnell wieder erlischt.

Politik nach dem französischen Philosophen Jacques Rancière kann nur funktionieren, wenn alle gleich sind. Der Mikroblogging- Dienst Twitter bei dem sogenannte Tweets mit maximal 280 Zeichen veröffentlicht werden können. arbeitet dabei mit sogenannten Hashtags (#), also verlinkten Schlagwörtern. Diese bündeln Themen, die sich über das soziale Netzwerk schnell verbreiten können. Twitter ist kostenlos und kann von „jedermann“ benützt werden. Hier können Meinungen diskutiert und ausgetauscht werden, unabhängig davon, ob die Nutzer zum gleichen Kreis oder Milieu gehören. Die sogenannten „Namenlosen“ haben auf dieser Plattform eine Stimme. Inzwischen haben sich auch unzählige Prominente, Meinungsführer und hochrangige Politiker den Dienst für sich entdeckt und verkünden via Twitter ihre News. Die Gefahr besteht, dass der Austausch dabei im allgemeinen Informationsrauschen untergeht und keine strukturellen Informationen mehr fließen. Der Effekt dreht sich dabei um. Der wohl mächtigste Politiker, der Präsident der Vereinigten Staaten nutzt diesen Kurznachrichtendienst sehr rege und hat zahlreiche Follower. Sind in diesem Fall wirklich alle gleichgestellt? Oder sind hier neue Fetische entstanden? Ein Fetisch ist ein Gegenstand religiöser Verehrung und/oder sexuellen Begehrens, dem übernatürliche Kräfte zugeschrieben werden. Früher hat die Religion den Tag getaktet, heute machen das die Nachrichten in den Medien. Donald Trump, als prominenter Nutzer des Echtzeitmediums wird von seinen Anhängern wie eine „Ikone“ verehrt. Seine Follower, die seine spontanen und oft beleidigenden Äußerungen teilen, liegen in den zweistelligen Millionen Bereichen. Die Einflussnahme im Netz steigt mit dem Twitter-Ranking, ohne dass es eine sachliche Kompetenz wie etwa bei der New York Times gäbe. Etliche Aussagen halten dem Fakten-Check nicht stand. Weiterhin besteht ein Viertel von Trumps Twitter-Gefolgschaft nach Ermittlungen der Frankfurter Zeitung aus Fake-Accounts.[1] Angesichts der Bots und Fake-Accounts weiß man nicht mehr, was im Netz echt ist und was nicht. Hier ist eine neue Illusion entstanden, die sich lohnt entlarvt zu werden.

[1] Adrian Lobe, „Wahlkampf im Netz. Trumps Fans aus Mazedonien“, in: Frankfurter Allgemeine: 31.08.2016, Stand 10.03.2018, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/wahlkampf-im-netz-donald-trumps-fans-aus-mazedonien-14411442.html.